das kleinere Übel

Sonntag, 15. Mai 2005, 12:53 Uhr

In einer Woche sind Landtagswahlen hier in NRW. Wer (noch) nicht weiss, wie er/sie wählen soll, kann sich natürlich noch informieren, schliesslich ist jeder Laternenpfahl vollgeklebt mit Plakaten.

  • Jeder 3. in NRW wählt eBay. Jedenfalls laut einer ziemlich blöden Werbeaktion. Will gar nicht wissen, wie sich das auf den Wahlzetteln wiederfindet.
  • Die SPD verteilt Rosen im Treppenhaus und Glückskekse in der Strassenbahn. Und glaubt wohl, damit Leute überzeugen zu können.
  • Die CDU wirbt mit “Soziale Gerechtigkeit statt falscher Toleranz”. Bleibt offen, was sie für letzteres halten.
  • Die NPD hängt Plakate auf mit “Gute Heimreise!” und einem Foto von einem offenbar türkischen Paar. Die PDS kontert mit “Nazis raus aus den Köpfen” und “Armselig”, am selben Laternenpfahl wie das NPD-Plakat.
  • WASG (oder wie auch immer die heissen, und wer auch immer das ist) meint, mit unglaublich blöden Plakaten (hab schon wieder den Text von dem “Verhüten”-Plakat vergessen) Stimmen gewinnen zu können. Dass sie gegen eine grosse Koalition und gegen Rot-Grün sind, kriegt man dabei mit — sonst leider nichts von ihrem Programm, ihrer Ausrichtung etc.
  • Die Republikaner führen die altbekannte “Das Boot ist voll”-Propaganda mit “Das Boot geht unter” fort.

Jaja, die Grünen und die FDP haben auch Plakate. Erstere find ich aber ganz gut (bis auf “Die Besten für den Westen”, oder wie auch immer der Slogan ist), und letztere erstens grottenhässlich (das Gelb!!) und zweitens inhaltlich zwar Mist, aber auch nicht besonders herausragend schlecht.

Lucky Strike hat auch was zu sagen: “Studieren Sie ruhig dieses Plakat. Das ist gebührenfrei.” — das wäre sehr schön neben einem der Plakate vom Aktionsbündnis gegen Studiengebühren: Merkel und Rüttgers. Merkel: “Du führst in NRW Studiengebühren ein…” — Rüttgers: “Und du schaffst dann 2006 das Bafög ab!” (übrigens gedruckt, bevor die Bafög-Diskussion losging).

Und dann gibt’s noch den Wahl-O-Mat der Bundeszentrale für politische Bildung. Man beantwortet knapp 30 Fragen mit “stimme zu”/”neutral”/”stimme nicht zu”/”weiss nicht”, gibt dann noch an, welche von ca. 7 Kategorien am Wichtigsten sind, und kriegt dann ein Rating, inwiefern die Parteien mit der eigenen Meinung übereinstimmen (bisher gibt es “nur” die vier grossen Parteien). Überrascht war ich vom Ergebnis nicht, aber der zusätzlich vorhandene Kurzvergleich der Partei-Meinung zu den gestellten Fragen mit meinen Antworten hat mir zumindest ein bisschen mehr über die Parteiprogramme gesagt.

Vielleicht sollte ich nächstes Mal in der Innenstadt mal doch nicht einen möglichst weiten Bogen um alle Partei-Stände machen, sondern mir die Programme geben lassen. Wenn denn vor lauter Waffeln, Rosen und was-weiss-ich dafür noch Platz am Stand ist und sie welche da haben.

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