Interaction Design — Beyond Human-Computer Interaction
Sonntag, 4. Dezember 2005, 20:11 Uhr
Neulich in der Unibib gesehen und ausgeliehen: Interaction Design — Beyond Human-Computer Interaction von Jennifer Preece, Yvonne Rogers und Helen Sharp. Von den Autorinnen konzipiert als breit gefasste Einführung in alles, was mit Mensch-Maschine-Interaktion zu tun hat, soll das Buch ein thematisch sehr breites Spektrum abdecken. Aus dem Inhaltsverzeichnis:
- What is interaction design?
- Understanding and conceptualizing interaction
- Understanding users
- Designing for collaboration and communication
- Understanding how interfaces affect users
- The process of interaction design
- Identifying needs and establishing requirements
- Design, protoyping and construction
- User-centered approaches to interaction design
- Introducing evaluation
- An evaluation framework
- Observing users
- Asking users and experts
- Testing and modeling users
- Design and evaluation in the real world: communicators and advisory systems
Nun ist das Buch bei weitem nicht das erste zu diesem Themenbereich, das ich gelesen habe — beim Durchblättern hatte ich gehofft, “das eine Buch, in dem alles steht” gefunden zu haben. Leider haben sich die Autorinnen so sehr auf die Breite konzentriert, dass es an der Tiefe fehlt.
Als Zielgruppe nennen die Autorinnen: Studierende der Informatik, Informationswissenschaften, Psychologie und Soziologie; Entwickler und Anwender von Webseiten und Software; Forscher. Ich vermute, dass die einzigen aus diesem Kreis, für die “Interaction Design” genau die richtige Breite und Tiefe von Material enthält, die Soziologiestudierenden und die Anwender sind — und genau diese werden das Buch wohl nicht lesen wollen, weil es sie schlicht und einfach nicht interessiert (und weil für diese wohl die Menge deutlich zuviel und der Stil zu schulbuchmäßig ist).
Fazit: als gründliche Einführung für jemanden ohne Vorkenntnisse wohl geeignet, aber sonst lieber Finger weg. Schade eigentlich; didaktisch haben die Autorinnen sich nämlich sehr viel Mühe gegeben und auflockernde Elemente wie Praxisbeispiele, Aufgaben und Interviews mit Usability-Profis eingebaut.
Das gute Buch zum Thema habe ich also immer noch nicht gefunden; eine gute Auswahl ist meiner Meinung nach folgende:
- User Interface Design for Programmers von Joel Spolsky — für “Ich will, dass meine Programme/Webseiten ab morgen benutzbarer sind”. Pflichtlektüre für alle EntwicklerInnen.
- The Design of Everyday Things von Don Norman — für “Ich will wissen, warum sich Leute über sowas überhaupt Gedanken machen. Abgesehen davon betrifft mich das alles ja gar nicht, ich produziere ja Türklinken”. Pflichtlektüre fuer alle, die keinen Videorekorder benutzen können. Und auch für die, die behaupten, das doch zu können ;)
- Paper Prototyping von Carolyn Snyder — für “Ich will mir Feedback von den Anwendern meiner Programme/Webseiten holen, am besten schon während der Entwicklung”. Pflichtlektüre für alle EntwicklerInnen, die das Spolsky-Buch gelesen haben und Ideen für die praktische Umsetzung haben möchten. Und für alle, die mir nicht glauben, dass Usability Testing wie ein Pen&Paper-Rollenspiel sein kann.


