8 Dinge, die mich an anderen Blogs nerven

Freitag, 10. Februar 2006, 21:03 Uhr

Momentan habe ich knapp 70 Newsfeeds in meinem Feedreader. Die meisten davon gehören zu Blogs; darunter sind auch ein paar planets. Mir laufen also jeden Tag recht viele Blog-Einträge übern Weg^WBildschirm. Und mir sind ein paar Dinge aufgefallen, die in Blogs immer wieder vorkommen und die mich jedes Mal nerven. Hier sind sie.
(Vorsicht: Dieser Eintrag ist etwas sarkastisch geraten. Hat sich irgendwie so ergeben. Immer dran denken: Die beißt nicht. Die will nur spielen. Ernstgemeint sind die Punkte trotzdem.)

  1. Ein Übermaß an “me too”-Einträgen. Wenn du schon in 20 Blogs quasi denselben Eintrag gelesen hast, musst du ihn nicht auch noch posten. Ich schätze mal, die meisten Leute lesen mehr als nur ein Blog. So groß ist die Blogosphere nicht (gerade die deutschsprachige). Ähnliches gilt übrigens auch für Kommentare: Wenn schon drei Leute dasselbe kommentiert haben, spar dir deinen Kommentar. Oder schreib stattdessen was Originelles. Ja, dazu musst du die anderen Kommentare erst lesen. Aber du willst doch schließlich auch, dass andere Leute deinen Kommentar lesen, oder?
  2. Kein Newsfeed vorhanden. Du willst, dass ich dein Blog lese? Dann mach es mir bitte so einfach wie möglich. Und nein, ich möchte deine Navigationsleiste nicht jeden Tag bewundern müssen. Und das tolle Blogtitel-Hintergrund-Foto auch nicht. Auch nicht, wenn du einem Designer viel Geld dafür bezahlt hast. Und solltest du Anzeigen in deinem Blog geschaltet haben: die will ich nun wirklich nicht sehen. Aber mein Browser filtert die höchstwahrscheinlich eh raus. Bonuspunkte gibt’s übrigens für Kommentar-Feeds und Pro-Eintrag-Kommentar-Feeds.
  3. Keine Kommentare möglich. Ich dachte, Blogs haben was mit Dialog zu tun — du weißt schon, Web 2.0 und Cluetrain und so weiter. Ich würd schon gern mitreden können. Kannst du etwa keine Kritik vertragen? Und wer weiß, vielleicht ist ja sogar ab und zu mal Lob dabei. Oder was Interessantes zum Thema, das du noch nicht wusstest.
  4. Keine Trackbacks/Pingbacks möglich. Verwandt mit Punkt 3. Manchmal möchte ich halt mehr zu deinem Eintrag sagen als nur einen kurzen Kommentar. Oder ich möchte einen deiner Gedankengänge weiterführen. Wär doch schön, wenn ich dafür nicht erst einen Extra-Kommentar in dein Blog schreiben müsste, oder? Schau mal, wenn du auf einen meiner Einträge verlinkst und dein Blog einen Trackback/Pingback sendet, kriegst du direkt einen Link auf deinen Eintrag zurück. Da gibt’s so ein Wort: Blogosphere. Schonmal davon gehört?
  5. Teaser/Exzerpte statt vollem Text auf der Startseite oder im Newsfeed. Verwandt mit Punkt 2. Warum muss ich (mindestens) einmal mehr klicken, um den ganzen Eintrag lesen zu können? Damit du in deiner Statistik sehen kannst, welche Einträge besonders oft gelesen werden? Sorry, ich dachte, es ginge um den Inhalt deines Blogs, nicht um irgendwelche Egotrips oder meiner-ist-länger-Vergleiche. Klar hilft es dir, rauszufinden, was deine LeserInnen besonders mögen — aber dir fällt dafür doch bestimmt was Kreativeres ein. So gerade noch ok, wenn es nur bei Einträgen ist, die ziemlich lang und ziemlich sicher für einen Teil der LeserInnen uninteressant sind — und wenn der Teaser genug Informationen enthält, dass man entscheiden kann, ob Weiterlesen sich lohnt oder nicht.
  6. Navigation nur nach Datum. Navigation nur nach Datum ist fast genauso schlimm wie Navigation nur alphabetisch nach Eintrags-Titel. Die einzige Entschuldigung dafür haben Blog-Tagebücher im LiveJournal-Stil. Allerdings ist doch gerade einer der Vorteile von Hypertext gegenüber Papier, dass Navigation nach mehr als einem Kriterium angeboten werden kann. Wie wär’s mit… thematisch?
  7. Keine Quellenangaben. Manchmal ist ein Blog-Eintrag eigentlich nur ein Link und ein “schaut mal, Leute, das hier ist ziemlich cool” (genau darum ging’s damals ja mal beim Bloggen). Den Link hat man meist in einem anderen Blog gefunden. Oder der Blog-Eintrag bezieht sich auf einen Blog-Eintrag von jemand anders. Was solltest du dann tun? Genau. Deine Quelle nennen und einen Link setzen. Link weglassen gilt nicht. Und wenn die Quelle ein spezieller Eintrag ist, solltest du auch genau diesen Eintrag verlinken und nicht die Hauptseite — ich will den anderen Eintrag nicht erst suchen müssen. Und immer Punkt 1 im Kopf behalten. Und Punkt 4.
  8. Komische Titel, die nichts mit dem Inhalt zu tun haben. Verwandt mit Punkt 2 und Punkt 5. Mein Feedreader zeigt mir erstmal nur das Datum und die Überschrift der Einträge an. Schön für mich, aber bedeutet das irgendwas für dein Blog? Naja: Dein Eintrag wird im Zweifelsfall (wenig Zeit o.ä.) nur dann gelesen, wenn die Überschrift sich interessant genug anhört. Und nach spätestens fünf “cleveren” Wortspielen ist meine Geduld meistens zu Ende. Als Entschuldigung lasse ich gelten, dass du ganz genau weißt, dass deine LeserInnen sowieso jedes deiner Postings lesen. Aber auch nur so gerade noch. Denk dran, du schreibst für deine LeserInnen. Hoffentlich jedenfalls…

Eins ist mir noch aufgefallen: Meine Liste überlappt sich (bis auf Punkt 8) nicht mit der vom “Usability-Guru” Jakob Nielsen. Komisch aber auch. Seine Alertbox ist ja eigentlich auch eine Art Blog. Schade, dass er das noch nicht gemerkt hat. Und schade aber auch, dass dort die meisten Punkte von meiner Liste gelten. Dafür gibt’s einen “E-Mail-Newsletter”. Sorry, aber 1999 ist schon ne Weile her.

Ich hab gar keine Ahnung? Sooo schlimm ist Punkt n doch gar nicht? Dafür ist aber was anderes noch viel nerviger? Blog XY hält sich nicht an Punkt m, aber in dem Fall ist das gerechtfertigt? Immer her damit. Mein Blog akzeptiert schließlich Kommentare. Und Trackbacks und Pingbacks auch ;)

8 Kommentare Newsfeed für Kommentare

  1. Wie wahr. :)

  2. Verlinkt von sv blog » Blog Archive » Von der Kunst, nicht alles doppelt zu bloggen
  3. Zu 4. - Schon mal was von Trackback-Spam gehoert? Ist fies und eklig, und macht genau gar keinen Spass, jede Woche so 60 Trackbacks zu loeschen…

  4. @tina: ja, sicher habe ich schon von Trackback-Spam gehoert. Aber zumindest bei Wordpress kann man da mit den entsprechenden Plugins was gegen unternehmen. Ich loesche auch pro Woche geschaetzt 40 Spam-Kommentare — auf der Seite war davon allerdings dank Kommentar-Moderation kein einziger veroeffentlicht worden.

  5. Ja, da ist was dran; aber nach meiner Erfahrung halten sich die Leute nicht dran.
    Mittlerweile gibt es so viele verschiedene Ansichten, was man mit Blogs macht, dass allgemeingültige Regeln versagen können. Richtlinien unterstütze ich aber auch. Also hier mein Punkt 9:
    Sorgfältig texten: Rechtschreibung und Grammatik sind wichtig für’s Verständnis - und Bloggen ist was anderes als privat Emails auszutauschen.

  6. @Maria: was meinst du mit “die Leute halten sich nicht daran” und “allgemeingültige Regeln”? Ich sage doch explizit, dass das Dinge sind, die _mich_ nerven. Ich weiß, dass einige der Punkte in der Blogosphäre heiß umstritten sind (siehe dazu auch tinas Kommentar oben). Andere Punkte scheinen bei vielen Bloggern sogar zum Standard-Verhalten zu gehören. Aber sie nerven mich halt ;)

    Zu deinem Punkt (9): Derart selbstverständliche (und nicht-Blog-spezifische Dinge) habe ich gar nicht erst in die Liste aufgenommen. Zum Beispiel fehlt ja auch ein Punkt “dummer/uninteressanter/o.ä. Inhalt” — Blogs, die meinen “Mindeststandards” in der Hinsicht nicht genügen, lese ich halt einfach gar nicht (und daher haben sie auch keine Chance, mich zu nerven).

  7. Punkt 5 schliesst dann auch Startseiten mit ein, die n MB (manche bis zu 6 oder mehr) vorweisen können und so manche Modemsurfer (solls ja immer noch geben) an den Rand der Verzweiflung bringen können. Ansonsten - Zustimmung (ups, hab ich jetzt gegen Punkt 1 verstossen?)

  8. Verlinkt von Anderes Format für Trackbacks und Pingbacks • {Bücher,Unterwegs,Rechner-Basteln,Kochen,…}

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