Der Literaturhinweis für einen Teil meiner Prüfung bestand, durchaus passend zu meinen Vorurteilen, aus “Lesen Sie mal dieses Buch”. Zur Abwechslung also mal deutsche Fachliteratur, und dann ja auch noch in Psychologie. Nicht gerade das, was ich so gewohnt bin.
Und es erfüllt auch noch ein paar weitere meiner Vorurteile. Zuerst einmal werden lustig Wörter erfunden. Ich hab noch nicht so ganz verstanden, was der Unterschied zwischen einem Zylinder und einem Zylindrex sein soll, zum Beispiel. Außer, dass ein Zylindrex wohl aus mehreren Radex-Scheiben besteht. Und eine Radex-Scheibe ist eine Scheibe. Oder so. Und Struktupel sind Teilstrukturen von irgendwas, wenn ich das richtig verstanden hab. Weiß nicht so recht, wo das “-tupel” herkommt — ich dachte ja immer, davor stünde entweder gar nix oder die Stelligkeit des Tupels…
Aber eins nervt mich gewaltig, und das ist der inflationäre Gebrauch von “beziehungsweise” (und dieses Phänomen ist nicht auf das eine Buch beschränkt). Laut Wiktionary gibt es zwei Verwendungsarten für “beziehungsweise”:
[1] genauer gesagt
[2] und im anderen Fall
Meiner Meinung nach ist Fall (1) ganz einfach schlechtes Deutsch und dient nur dazu, den Satz aufzublasen. Wenn man in geschriebenem Deutsch ein “genauer gesagt” verwendet, dann sollte man in 95% der Fälle einfach direkt genauer sagen, was man denn sagen möchte. Meist wird es auch nur anstelle von “oder” verwendet — was wohl nicht wichtig genug klingt.
Wiktionary hat übrigens ein schönes Beispiel für Fall (2): “Sie kraulte ihrem Hamster und Wellensittich oft das Fell beziehungsweise die Federn.” Genau: dem Hamster wird das Fell gekrault, dem Wellensittich die Federn. Und das “beziehungsweise” stellt klar, dass es genaus so rum ist und nicht etwa umgekehrt. Oder auch “Anna und Maria sind acht beziehungsweise vier Jahre alt” — ganz klar, Anna ist also die Ältere von den beiden.
Ganz schlimm wird’s, wenn Leute “beziehungsweise” im Fall (1) in jedem zweiten Absatz verwenden — aber Sätze, in denen ein “beziehungsweise” à la (2) durchaus helfen würde, völlig vermurksen. Ein schönes Beispiel für diese Verwirrungstaktik: “Aus wissenschaftstheoretischer Sicht lassen sich wissenschaftliche Begriffe in Beobachtungsbegriffe und theoretische Begriffe bzw. Konstrukte unterteilen.” Preisfrage: ist “theoretischer Begriff” nun ein Synonym von “Konstrukt”?
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