Da fliegt er, der Erpel: Ubuntu Dapper Drake
Montag, 5. Juni 2006, 17:00 UhrWie von den Entwicklern geplant, ist am 1. Juni eine neue Version von Ubuntu Linux erschienen — Version 6.06, Codename “Dapper Drake” (was, wie ich zu meiner großen Enttäuschung feststellen musste, nichts mit Drachen oder wenigstens Echsen, sondern nur was mit männlichen Enten zu tun hat) erschienen.
Gestern abend hab ich auf meinem Laptop mal das Update angeworfen. Da ich definitiv mehr Programme installiert hab, als bei einer Standardinstallation so dabei sind, hieß das zuerst einmal: über 1GB runterladen. Zum Glück hatte ich eh schon Pläne für den Nachmittag und konnte also den Rechner einfach mal machen lassen. Abends hab ich dann das eigentliche Update gestartet. Dem graphischen Updater hab ich nicht so recht getraut, also hab ich apt-get benutzt (sudo apt-get update, dann sudo apt-get dist-upgrade). Das lief allerdings so lange, dass ich irgendwann nach Mitternacht den Installationsprozess unterbrochen und den Rechner schlafen geschickt hab.
Heute morgen musste ich erstmal die Netzwerkschnittstellen manuell aktivieren (automatisch aktiviert wurden sie nicht; sudo ifup eth0 tat auch nicht); anscheinend hat sich an den Netzwerk-Konfigurationsdateien was geändert. Ein sudo dhclient eth0 und sudo ifconfig lo up später war das aber kein Problem mehr, und inzwischen gehen auch die anderen Kommandos wieder. Merke: ohne funktionierende Loopback-Schnittstelle mag cups sich nicht starten lassen; hat ein paar Minuten gedauert, bis ich das rausgefunden hatte… Dummerweise hatte ich das Update nämlich an einer Stelle unterbrochen, an der die graphische Oberfläche nicht funktionieren mochte. Zum Glück ist Google relativ freundlich zu Textbrowsern.
Insgesamt lief das Update schmerzloser als befürchtet; ich hatte mehrere inoffizielle Installationsquellen in meiner /etc/apt/sources.list stehen und im Zusammenhang damit ein paar Probleme erwartet. Eine gute Mischung aus sudo apt-get dist-upgrade und sudo apt-get -f install (ersteres sagt einem, dass man letzteres laufen lassen soll, wenn es selbst nicht mehr weiterweiß) hat aber funktioniert, nur OpenOffice.org und ein paar Sprachpakete musste ich danach zu Fuß (wieder) installieren (OpenOffice.org war aber auch genau eins der Pakete, die ich aus inoffizieller Quelle hatte).
Und mein Eindruck vom neuen Ubuntu? Die meisten Änderungen scheinen eher in den Details zu stecken; viele Programme sind in etwas neueren Versionen dabei (Gnome 2.14 statt 2.12, Firefox 1.5.0.3 statt irgendeiner 1.0.7er-Version, …) und sind daher hoffentlich einige der kleinen nervigen Problemchen losgeworden. Gnome hat ein neues Theme, das mich mit seinen Pseudo-3D-Effekten noch nicht so ganz überzeugen konnte. Noch hat es Schonfrist; wenn’s mich genug nervt, installiere ich halt wieder das alte Theme. Die Release Notes erwähnen bessere Unterstützung für Laptops, die gerne mal ihr WLAN wechseln — ausprobieren konnte ich das noch nicht, kann ich also nichts zu sagen. Bisher konnte ich z.B. einen AirPort Express nur mit abgeschalteter Verschlüsselung nutzen; wär schön, wenn das jetzt auch mit Verschlüsselung funktionieren würde.
Ansonsten ist so ein Update ja auch immer eine gute Gelegenheit, mal die installierten Programme durchzugehen und die, die man eh nicht braucht, runterzuwerfen. Genauso bietet es sich an, mal die Menüs nach neu installierten Programmen zu durchforsten. Ich habe dabei ein neues Panel Applet entdeckt: Deskbar (das vermutlich schon länger auf meinem Rechner rumlungert, aber entdeckt hab ich es halt jetzt erst).

Mit der Deskbar kann man Programme starten, E-Mails schreiben, Websuchen durchführen und noch jede Menge mehr verwandte Aufgaben erledigen, indem man einen Suchbegriff eintippt und die entsprechende Aktion aus dem Menü auswählt, das dann aufklappt (siehe Screenshot). Wen’s interessiert: einfach mal installieren und damit rumspielen — wer das nicht kann oder möchte, für den gibt’s eine längere Feature-Liste und ein Bildschirmvideo (allerdings beide auf Englisch).
Ich habe nun ein entsprechendes update auf meinem laptop gemacht. Das update lief ganz glatt durch, aber auch bei mir waren danach alle netzwerkschnittstellen deaktiviert.
deskbar habe ich jetzt auch, das war ein nützlicher Hinweis!