Wir basteln uns ein Visum, Teil II

Donnerstag, 6. Juli 2006, 12:57 Uhr

Nachdem Teil I meines Visumsantrags ja eigentlich insgesamt relativ problemlos gelaufen war, dachte ich schon, Vergleiche mit Passierschein A 38 wären trotz des recht umfangreichen Formulars (Achtung, PDF) doch nicht angebracht. Und dann hab ich mir die Bestimmungen zum Gesundheitszeugnis näher angeschaut. Und dann erstmal tief durchgeatmet.

Da ich wohl länger als 2 Jahre in Neuseeland sein werde, brauche ich ein vollständiges Gesundheitszeugnis inklusive Röntgenaufnahme des Oberkörpers. Nochmal 16 Seiten Formular, mit lustigen Fragen nach der geistigen Gesundheit, dem Alkoholkonsum, dem Gesundheitszustand von Eltern und Geschwistern und ähnlichen Späßen. Auszufüllen selbstverständlich nicht vom Hausarzt, sondern nur von zugelassenen Panel Doctors. Dummerweise bin ich ja aber gerade in Schweden. Ein kurzes Gespräch mit einer unglaublich kompetenten Dame bei der neuseeländischen Botschaft in Berlin (die nur für drei meiner vier Fragen ihre Kollegen bemühen musste) hat dann aber ergeben, dass ich die Untersuchung auch von einem Panel Doctor in Schweden machen lassen darf. Kurz drauf hatte ich einen Arzttermin und einen für die Röntgenaufnahmen. Beide bei Privatkliniken, denn was hab ich da neulich gelesen? “Swedish health care is usually of a very high quality, but can be quite challenging to receive.” Genau. Andererseits ist die Zertifizierung als Panel Doctor vermutlich auch nicht ganz billig (wenn ich mal vom Preis des Gesundheitszeugnisses darauf schließe…).

Bis auf leichte Sprachverwirrungen und stundenlanges Warten liefen beide Termine zum Glück ganz gut. Spaßig aus deutscher Sicht war vor allem eine Frage vorm Röntgen: “Do you wear a halsband?” Nee, ist doch keine Leinenpflicht, oder? Wobei ich natürlich heilfroh war, dass hier in Schweden so gut wie jedeR sehr gut Englisch spricht. Als Schwedin in Deutschland hätte ich mich wohl nicht getraut, alleine zum Arzt zu gehen.

Der Arzt bei der Untersuchung war offensichtlich davon überzeugt, dass ich wohl völlig gesund bin; jedenfalls hatte ich bei den meisten Fragen kaum Zeit, irgendwas zu sagen, so schnell hatte er den Stift über der “no”-Box. Ansonsten hat er mir während der Untersuchung lustige Geschichten aus seinen Aufenthalten in Neuseeland erzählt, das war ganz nett. Ob ich ihm die 127 schwedischen Meilen, die er auf der Südinsel an einem Tag gefahren sein will, glaube, weiß ich aber immer noch nicht so recht (eine schwedische Meile sind 10km)…

Die Ergebnisse der Blutuntersuchung sind noch nicht da, aber alles andere ist schonmal in Ordnung — ist ja auch mal ganz gut zu wissen (nicht, dass ich was anderes erwartet hatte).

Natürlich kriegt man das Gesundheitszeugnis selbst gar nicht wieder (man könnte ja nachträglich was dran rumändern), sondern der Arzt schickt das direkt nach Berlin. Hoffe ich jedenfalls; die Leute in der Praxis machen wohl deutlich öfter Untersuchungen für Australien als für Neuseeland und waren daher etwas verwirrt. Und meistens dürften es ja wohl auch für Schweden sein und nicht irgendwelche dahergelaufenen Ausländer.

Naja, wenn das jetzt doch alles gutgeht mit dem Gesundheitszeugnis, dann ist der Spaß mit dem Visum auch schon fast vorbei. Im Moment fehlt mir noch das Stellenangebot samt Finanzierungszusage aus Neuseeland und eine Bestätigung, dass ich in Neuseeland nicht auf der Straße leben muss. Aber wer weiß, was da noch für Komplikationen anstehen. Letztes Mal wäre ich ja fast daran gescheitert, dass man die Visumsgebühr per Scheck bezahlen muss.

4 Kommentare Newsfeed für Kommentare

  1. Wieso wanderst Du eigentlich nicht nach Schweden aus, die scheinen dort ja wirklich nett und kompetent zu sein. Und in der EU fällt die Visumspflicht weg. Im Ernst: Ich bin beeindruckt. Mal sehen, welche bürokratischen Hürden diese Welt noch bietet…

  2. Weil sie hier die DoktorandInnen noch mehr ausbeuten als in Deutschland, zum Beispiel… Und man braucht zwar kein Visum, aber ab 3 Monaten dann doch eine Aufenthalts- und/oder Arbeitsgenehmigung (hab schon wieder vergessen, welche). Also so ganz unbürokratisch würd das auch mit Schweden wohl nicht werden…

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