Archiv für August 2006

Geht doch

Donnerstag, 31. August 2006

Seit Montag war ich dabei, einer ganzen Menge Papierkram hinterherzulaufen. Heute konnte ich das meiste dann auch tatsächlich erledigen, so dass ich jetzt endlich eingeschrieben bin und ein Bankkonto, einen Studiausweis (wenn ich eine Kamera in der Nähe hab, muss ich den mal fotografieren — da ich hier Postgraduate Student bin, ist sogar ein kleiner Doktorhut drauf) und eine Gebäude-Zugangskarte (für abends und am Wochenende) habe. Letztendlich war das alles sogar ziemlich einfach, und die Rennerei hielt sich auch in Grenzen. Das Problem war nur, dass ständig Leute nicht da waren, die noch irgendwelche Dinge unterschreiben mussten.

Wider Erwarten hat übrigens mein Auto die anderthalb Jahre Rumstehen gut überstanden. Zusätzlich zur Wiederzulassung und dem TÜV braucht es nur eine neue Batterie, neue Wischerblätter und eine neue Kennzeichenbeleuchtung. Na dann :) Echte koreanische Wertarbeit, würd ich mal sagen. Den koreanischen Sekundenkleber, den mein Vater mir damals von seinem Flug via Seoul mitgebracht hat, hab ich jedenfalls noch nie gebraucht… Damit ist jedenfalls der Vorschlag der Werkstatt hinfällig, es gegebenenfalls halt in einen Gartenschuppen zu verwandeln.

Angekommen

Dienstag, 29. August 2006

Vorgestern bin ich so um zwanzig nach fünf in Auckland angekommen. Annika hat mich so gegen halb neun abgeholt (das war deutlich früher als erwartet — schließlich fährt man von Hamilton aus ja andertalb bis zwei Stunden). Nach einem Tee-Stop in Mercer und ausgiebigem Bewundern der endlich fertiggestellten SH1-Erweiterung (wer mich letztes Mal dort besucht hat, wird sich sicherlich an die kilometerlange Baustelle erinnern) haben wir meine Koffer bei Annika abgeladen, und dann hat Annika sich alle Mühe gegeben, mich bis abends wachzuhalten.

Zuerst waren wir einkaufen, da Felix und Liese uns lautstark mitgeteilt hatten, dass neues Katzenfutter hermusste. Danach sind wir zur ehemaligen Jugendherberge gefahren, die jetzt von einer Kirchengemeinde zu einem Jugendzentrum umgebaut wird (oder so ähnlich), und haben uns dort rumführen lassen. Von da aus ging’s zum Mittagessen (klar, bei Scott’s — das Aglio Olio ist immer noch so gut wie vor anderthalb Jahren) und von da aus nach Raglan, Sonnenuntergang gucken und Curly Fries im Tongue&Groove essen. Das übliche Touristenprogramm also ;) Immerhin hab ich’s geschafft, bis ungefähr halb neun wachzubleiben, und gestern früh bin ich auch erst so um acht aufgewacht. Ich hoffe also, dass sich der Jetlag schnell legen wird.

Gestern früh haben wir bei Annikas Lieblingswerkstatt (wenn wir nicht in Neuseeland wären, wäre die Tatsache, dass sie dort ihren Namen kennen, deutlich bemerkenswerter) meinen Autoschlüssel dagelassen, damit sie sich das Auto mal anschauen können und mir sagen, was denn wohl dran gemacht werden muss, um Olli wieder straßentauglich zu kriegen. Oder ob das überhaupt keinen Sinn hat und Olli zum Schrottplatz muss… Da werd ich heute im Laufe des Tages wohl von hören.

An der Uni fing dann der große Bürokraten-Marathon an, der sich heute fortgesetzt hat. Einen Schlüssel für mein Lab (also den Raum, in dem mein Arbeitsplatz ist) zu bekommen, war das geringste Problem. Einen vorläufigen Account habe ich auch (Komplett mit “probable username” — ob da irgendwie Quanten mit reinspielen? Der Benutzername aendert sich, wenn man nicht hinschaut…?), allerdings erstmal an einem Windows-Rechner. Aber richtig eingeschrieben bin ich noch nicht, weil das Wissen über die Übernahme meiner Studiengebühren bisher nur am Fachbereich vorhanden war. Gestern war niemand hier, der/die auch nur im Entferntesten zuständig gewesen wäre. Heute dann immerhin eine Sekretärin, die den entsprechenden Wisch ausgedruckt hat, damit die Urlaubsvertretung vom Fachbereichs-Chef (was hier nicht der Dekan ist, weil der fuer die übergeordnete Verwaltungseinheit, also die School of Computing and Mathematical Sciences, zuständig ist) morgen darauf unterschreiben kann. Damit darf ich dann zu UniLink, einer uni-internen Finanzenkoordinierungsstelle (oder so). Die tragen die Finanzierung irgendwo ein, und dann muss ich zur eigentlichen Finanzabteilung und den Teil der Gebühren bezahlen, die vom Fachbereich nicht übernommen werden (und, wichtig, meine Krankenversicherung). Und dann ist meine Einschreibung endlich durch und ich bekomme einen Studiausweis. Und einen richtigen Rechneraccount und eine Zugangskarte fürs Gebäude. Außer natürlich, der zuständige Mensch von UniLink ist morgen nicht da, oder was auch immer…

Gestern abend waren wir dann noch beim Pub Quiz im Cook. Sehr merkwürdige Veranstaltung, sowas. Viele Fragen hab ich gar nicht erst verstanden: sehr schön war zum Beispiel die Frage danach, nach wem der Sound bei Picton benannt ist. Wer da nur “sound” aufschnappt und versucht, irgendwie den Rest der Frage zusammenzubasteln, hat nicht wirklich eine Chance… Bei der einen Frage, wo ich als einzige die richtige Antwort wusste, hat mir keiner geglaubt — trotzdem hat das Team gestern gegen alle anderen Teams gewonnen. Ingesamt war’s ganz lustig, so dass ich vermutlich noch öfter hingehen werde. Vielleicht beschreibe ich das dann auch mal ausführlicher.

Danach bin ich mit einer Katze auf den Beinen eingeschlafen (ich weiß nicht, welche — wollte mich nicht umdrehen und sie dabei verscheuchen), was sehr nett war. Auch, weil’s wenigstens ein bisschen gewärmt hat :) Heute morgen habe ich meine Schafsfell-Pantoffeln, meine Wärmflaschen und eine Fleecedecke aus den Kartons ausgegraben, die ich bei Annika gelassen hatte. Heute nacht werde ich also wohl nicht frieren, wenn ich die Wärmflaschen und die Fleecedecke noch der bisherigen Nacht-Ausstattung (dicker Schlafanzug, Wollsocken, Schlafsack, Decke, Fleecejacke übers Fußende geworfen) hinzufüge (bevor jemand fragt: tagsüber ist es wärmer).

Wir basteln uns ein Visum, Teil III

Dienstag, 22. August 2006

Heute ist endlich mein Pass (mit dem Visum drin!) angekommen. Jetzt kann ich wieder ruhig schlafen, am Freitag geht’s ja schon los.

Eigentlich hatte ich gedacht, ich wär diesmal früh genug dran. Leider hat der Arzt sich als nicht autorisiert für Neuseeland herausgestellt. Und da er ja die Unterlagen auch erst an die falsche Botschaft geschickt hatte, ist das leider erst sehr spät aufgefallen. Zum Glück habe ich aber kurzfristig beim Panel Doctor in Dortmund einen Termin gekriegt. Immer noch ärgerlich (”zum Spaß” zweimal Röntgen lassen muss ja nun wirklich nicht sein, und so ein Gesundheitszeugnis ist auch verdammt teuer) — aber den Flug zu verpassen wär deutlich schlimmer gewesen…

Darf ich wenigstens meine Schuhe anbehalten?

Donnerstag, 10. August 2006

Aus den neuen Gepäckregelungen der British Airways

All cabin baggage must be processed as hold baggage and carried in the hold of passenger aircraft departing UK airports.

Passengers may take through the airport security search point, in a single (ideally transparent) plastic carrier bag, only the following items. Nothing may be carried in pockets:

  • pocket size wallets and pocket size purses plus contents (for example money, credit cards, identity cards etc (not handbags));
  • travel documents essential for the journey (for example passports and travel tickets);
  • prescription medicines and medical items sufficient and essential for the flight (eg diabetic kit), except in liquid form unless verified as authentic.
  • spectacles and sunglasses, without cases.
  • contact lens holders, without bottles of solution.
  • for those travelling with an infant: baby food, milk (the contents of each bottle must be tasted by the accompanying passenger) and sanitary items sufficient and essential for the flight (nappies, wipes, creams and nappy disposal bags).
  • female sanitary items sufficient and essential for the flight, if unboxed (eg tampons, pads, towels and wipes).
  • tissues (unboxed) and/or handkerchiefs
  • keys (but no electrical key fobs)

Every other item must be carried in customer’s hold luggage.

(…)

All passengers must be hand searched, and their footwear and all the items they are carrying must be x-ray screened.

(…)

In addition to the above, all passengers boarding flights to the USA and all the items they are carrying, including those acquired after the central screening point, must be subjected to secondary search at the boarding gate. Any liquids discovered must be removed from the passenger.

Wie stellen die sich das eigentlich vor? Ich hoffe mal, (a) sie haben genug Wasser an Bord, (b) das on-Bord-Unterhaltungsprogramm ist gut genug, dass ich 30 Stunden ohne MP3-Player und Buch aushalte. Wahrscheinlich werden sie die Regelungen in einiger Zeit wieder lockern, aber ich flieg ja schon in 2 Wochen.

Java-Handy-Anwendungen installieren unter Linux

Sonntag, 6. August 2006

Nachdem ich’s heute schon als Lazyweb-Antwort geschrieben hab, hier nochmal in meinem eigenen Blog — auf dass ich weiß, wo ich’s nachschauen kann, wenn ich grad mal keinen Zugriff auf meinen Rechner hab…

Um unter Linux eine Java-Anwendung auf einem Nokia-Handy zu installieren, kann man Gammu benutzen. Dazu lädt man anwendung.jar und anwendung.jad herunter und ruft in dem Verzeichnis mit den beiden Dateien folgendes auf:

gammu –nokiaaddfile Application anwendung

(Achtung, WordPress pfuscht mir mal wieder ins Handwerk — das sind zwei Bindestriche vor dem “nokiaaddfile”.)
So man denn gammu fürs eigene Handy konfiguriert hat, schiebt es damit die Anwendung aufs Handy — fertig.

Auf meinem Ubuntu-Laptop mit integriertem Bluetooth-Modul wurde die Bluetooth-Unterstützung bei der Installation direkt mitinstalliert; ein sudo apt-get install gammu installiert gammu. Man muss dann noch gammu konfigurieren; im Fall meines Nokia 6310i reicht folgendes in ~/.gammurc:

[gammu]
port = (Bluetooth-ID)
model = 6310i
connection = bluephonet
gammucoding = utf8

Es war ein bisschen tricky, die richtigen Einstellungen rauszufinden, aber Google ist da sehr hilfreich. Prinzipiell kommt gammu anscheinend auch mit Verbindungen über Infrarot oder Datenkabel klar.

Um die Bluetooth-ID des Telefons rauszufinden, muss man im Handy Bluetooth aktivieren und die Sichtbarkeit auf “für alle sichtbar” stellen. Dann wirft hcitool scan die Adresse im Format 00:00:00:00:00:00 raus — falls mehr als eine Adresse angegeben wird, muss man halt über den ebenfalls angezeigten Gerätenamen das gewünschte Handy identifizieren.

Wenn man gammu wie oben beschrieben aufruft, fragt das Handy, ob der Rechner sich verbinden darf. Außerdem fragt das Handy nach einer PIN. Hier kann man irgendwas Beliebiges eingeben, üblicherweise eine vierstellige Ziffernkombination (soweit ich weiß, sind aber auch andere Längen und Buchstaben möglich). Danach wird man auf dem Rechner ebenfalls nach einer PIN gefragt; hier muss man dieselbe angeben wie auf dem Handy.

Wer mehr wissen will: Bluetooth unter Ubuntu.

Mein erster echter Usability-Test

Freitag, 4. August 2006

Heute habe ich meinen ersten echten Usability-Test erlebt: das Programm, an dem ich die letzten 2 Monate programmiert habe, wurde auf eine “echte” Benutzerin losgelassen. Oder war’s andersrum…? Naja, egal. Jedenfalls sind wir heute morgen zu zweit zur Testperson hingefahren, mit dem Programm-Installer und den Dateien, die sonst noch so gebraucht werden, auf einem USB-Stick.

Und dann ging’s los: “Stell dir vor, du hast gerade eine E-Mail mit diesen Dateien bekommen. In der E-Mail stand auch, was du mit den Dateien machen sollst. Bitte tu das jetzt; wir werden dir über die Schulter schauen und uns Notizen machen. Wenn’s geht, denk bitte laut — also sag uns, was du jeweils gerade denkst.” Das lief alles auch soweit ganz gut, bis auf ein paar Anlaufschwierigkeiten. Merke: eine Testperson, die anscheinend nach mehreren Jahren Linux vor zwei Tagen ein MacBook gekauft hat und dementsprechend auch erst zwei Tage Erfahrung mit Mac OS X hat, hat mit dem Installieren von Dateien durchaus schonmal so ihre Probleme… Und: wenn man schon am Abend vorher noch bis 23h die Daten für den Test vorbereitet, sollte man testen, ob das Programm die Daten dann auch öffnen mag.

Den Testablauf selbst fand ich sehr viel weniger stressig als erwartet. In den Büchern über Usability Testing, die ich so gelesen hab, wurde eins immer mal wieder erwähnt: Programmierer, die überhaupt nicht damit klarkommen, wenn sie sehen, dass die Testpersonen das Programm nicht verstehen. Ich fand es zwar schwierig, nicht auf die laut ausgesprochenen Gedanken der Testperson zu reagieren (”Denk dran: wir testen das Programm, nicht dich. Außerdem wollen wir wissen, wie unvoreingenommene Benutzer auf das Programm reagieren. Wir werden also erstmal nicht eingreifen und dir auch keine Tips geben.”), aber auf meinen Händen sitzen oder sogar den Raum verlassen musste ich definitiv nicht ;)

Im Vergleich zu so manchen professionellen Tests war unserer sehr locker — die Testperson war eine Freiwillige aus dem Bekanntenkreis der EntwicklerInnen; wir hatten keine Kamera, Einwegspiegel, festen Testskripts und was es nicht noch alles gibt. Trotzdem hat er uns sehr geholfen: Wir hatten schon eine Vermutung, welcher Teil des Programms wohl schwierig zu verstehen sein würde. Nun heißt die Tatsache, dass unsere Testperson mit diesem Teil überhaupt keine Probleme hatte, natürlich nicht viel (die Testperson war nicht 100%ig repräsentativ für die Zielgruppe des Programms). Allerdings hatte sie unglaubliche Schwierigkeiten mit einem anderen Teil, den wir für völlig selbsterklärend gehalten hatten. Glücklicherweise ist noch genug Zeit, dieses Problem zu beheben — und es ist sogar nichtmal besonders schwierig. Wir wären ohne diesen Test nur niemals auf die Idee gekommen…

Fazit: Usability-Tests helfen, und man muss nicht gleich schwere Geschütze auffahren, um die größten Usability-Probleme zu beheben. Ich hatte das ja so immer mal wieder in Büchern zum Thema gelesen, aber es selbst zu erleben, war definitiv überzeugend.

Oh, und Literaturtips zum Thema Usability und Usability-Tests hab ich vor ein paar Monaten schonmal gebloggt.