Mein erster echter Usability-Test

Freitag, 4. August 2006, 20:39 Uhr

Heute habe ich meinen ersten echten Usability-Test erlebt: das Programm, an dem ich die letzten 2 Monate programmiert habe, wurde auf eine “echte” Benutzerin losgelassen. Oder war’s andersrum…? Naja, egal. Jedenfalls sind wir heute morgen zu zweit zur Testperson hingefahren, mit dem Programm-Installer und den Dateien, die sonst noch so gebraucht werden, auf einem USB-Stick.

Und dann ging’s los: “Stell dir vor, du hast gerade eine E-Mail mit diesen Dateien bekommen. In der E-Mail stand auch, was du mit den Dateien machen sollst. Bitte tu das jetzt; wir werden dir über die Schulter schauen und uns Notizen machen. Wenn’s geht, denk bitte laut — also sag uns, was du jeweils gerade denkst.” Das lief alles auch soweit ganz gut, bis auf ein paar Anlaufschwierigkeiten. Merke: eine Testperson, die anscheinend nach mehreren Jahren Linux vor zwei Tagen ein MacBook gekauft hat und dementsprechend auch erst zwei Tage Erfahrung mit Mac OS X hat, hat mit dem Installieren von Dateien durchaus schonmal so ihre Probleme… Und: wenn man schon am Abend vorher noch bis 23h die Daten für den Test vorbereitet, sollte man testen, ob das Programm die Daten dann auch öffnen mag.

Den Testablauf selbst fand ich sehr viel weniger stressig als erwartet. In den Büchern über Usability Testing, die ich so gelesen hab, wurde eins immer mal wieder erwähnt: Programmierer, die überhaupt nicht damit klarkommen, wenn sie sehen, dass die Testpersonen das Programm nicht verstehen. Ich fand es zwar schwierig, nicht auf die laut ausgesprochenen Gedanken der Testperson zu reagieren (”Denk dran: wir testen das Programm, nicht dich. Außerdem wollen wir wissen, wie unvoreingenommene Benutzer auf das Programm reagieren. Wir werden also erstmal nicht eingreifen und dir auch keine Tips geben.”), aber auf meinen Händen sitzen oder sogar den Raum verlassen musste ich definitiv nicht ;)

Im Vergleich zu so manchen professionellen Tests war unserer sehr locker — die Testperson war eine Freiwillige aus dem Bekanntenkreis der EntwicklerInnen; wir hatten keine Kamera, Einwegspiegel, festen Testskripts und was es nicht noch alles gibt. Trotzdem hat er uns sehr geholfen: Wir hatten schon eine Vermutung, welcher Teil des Programms wohl schwierig zu verstehen sein würde. Nun heißt die Tatsache, dass unsere Testperson mit diesem Teil überhaupt keine Probleme hatte, natürlich nicht viel (die Testperson war nicht 100%ig repräsentativ für die Zielgruppe des Programms). Allerdings hatte sie unglaubliche Schwierigkeiten mit einem anderen Teil, den wir für völlig selbsterklärend gehalten hatten. Glücklicherweise ist noch genug Zeit, dieses Problem zu beheben — und es ist sogar nichtmal besonders schwierig. Wir wären ohne diesen Test nur niemals auf die Idee gekommen…

Fazit: Usability-Tests helfen, und man muss nicht gleich schwere Geschütze auffahren, um die größten Usability-Probleme zu beheben. Ich hatte das ja so immer mal wieder in Büchern zum Thema gelesen, aber es selbst zu erleben, war definitiv überzeugend.

Oh, und Literaturtips zum Thema Usability und Usability-Tests hab ich vor ein paar Monaten schonmal gebloggt.

2 Kommentare Newsfeed für Kommentare

  1. Hmmm, wieso steigen in letzter Zeit eigentlich so viele Nutzer nach Mac OS X um. Oder kommt mir das nur so vor? Linux ist doch ein wunderbares Betriebssystem und dazu auch noch kostenlos? Haben die Leute zuviel Geld? Ich hatte mal einen Mac, den ich nach zwei Jahren wieder verkauft habe um zurück zu LINUX zu switchen. Naja, vielleicht muss das so sein. Windows -> Linux -> Mac -> Linux - - - war bei mir ja auch so.

  2. Nuja, ich hab auch schon ein paarmal gesagt, dass mein naechster Rechner ein Mac wird (inzwischen bin ich mir da allerdings nicht mehr so sicher). Mein Hauptgrund ist, dass bei Macs die ganze Frickelei wegfaellt, wenn man neues Elektrospielzeug gekauft hat — die meisten Dinge funktionieren halt einfach.

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